Makler klärt nicht über ehemalige Nutzung als Bordell auf

Das muss man sich bildlich vorstellen. Gerade hat man es sich nach einem harten Arbeitstag in der neuen Mietwohnung bequem gemacht, da klingelt es an der Tür und ein unbekannter Mann fragt sexuelle Dienste an. Ähnlich dürfte es in einem Fall gelaufen sein, den das Oberlandesgericht Düsseldorf zu entscheiden hatte. Eine Mieterin hatte sich neu in einem Haus eingemietet. Was sie nicht wusste war, daß in dem Haus über mehrere Jahre ein Bordell betrieben worden war. Der Makler hatte die Mieterin darüber nicht informiert. Sie wollte daher den Mietvertrag wegen arglistiger Täuschung anfechten, verlor den Prozess aber. Obwohl hier ein Makler eingeschaltet war, hätte sich die Mieterin auch selbst über das Haus erkundigen müssen. Vor Abschluss eines Mietvertrages bestehen nur in Ausnahmefällen Aufklärungspflichten. Da kein „Wissensgefälle“ bestand, hat der Makler selbst keine Aufklärungspflicht verletzt. Anders nur, wenn der Mieter selbst keine aussichtsreichen Möglichkeiten hat oder wegen mangelnder Anhaltspunkte oder Unerfahrenheit keinen Anlass sehen muss, sich durch Nachfrage über die konkreten Umstände Klarheit zu verschaffen. Der Vermieter muss über frühere Mieter nur informieren, wenn er dazu gefragt wird.

Gericht: 

OLG Düsseldorf

Urteil vom: 

07.10.2016

Aktenzeichen: 

7 U 143/15

Urteile: 

Mietrecht